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Brief eines Betroffenen

Seit bekannt wurde, dass wir eine Online-Beteiligung zum Thema Ladenschlusszeiten planen, erreichen uns fast täglich Anrufe und Anschreiben zu dem Thema. Einen der zahlreichen Briefe, den wir vor kurzem erhielten und der repräsentativ für die vielen Äußerungen der Beschäftigten im Einzelhandel steht, möchten wir euch nicht vorenthalten. Wir geben ihn anonymisiert und mit dem Einverständnis des Verfassers wieder.

Als ausgebildete MTA bin ich seit zwanzig Jahren nach der Geburt meiner Kinder im Einzelhandel tätig. In dieser Zeit wurden Vollzeitarbeitstellen immer mehr abgebaut und der Beruf des Einzelhandelskaufmanns/ – Kauffrau weiter ausgehöhlt.

Viele der Kollegen sind zwischen 20 und 30 Stunden in der Woche tätig. Das liegt zum Teil an der Doppelrolle Kindererziehung /Arbeitnehmer zum Teil aber auch an den verlängerten Öffnungszeiten. Wo früher zwei Vollzeitkräfte den Tag von 9-18.30 Uhr, später dann von 8 – 20.00 Uhr und heute von 7 – 22.00 Uhr abdeckten, sind heute 3 Kräfte mit jeweils 20 – 30 Stunden tätig.

Das bedeutet unter anderem, dass jeder Arbeitnehmer aus Sicht des Arbeitgebers vollflexibel von 6- 22.30 Uhr einsetzbar sein muss.

Schwer planbare Familienzeit

Die Ausnahmen, die der Tarifvertrag möglich macht, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung oder bei der Pflege von Angehörigen, werden in den seltensten Fällen berücksichtigt und bedeutet immer Kampf der Betriebsräte dies durchzusetzen. Selbst die Mitkollegen sind oft die „Verhinderer“, denn sie müssen dann die ungeliebten Spätschichten übernehmen und sehen die scheinbare Bevorzugung nicht ein.

Daraus ergibt sich eine kaum planbare Familienzeit. Wehe der Kollegin, die keine Oma, Opa oder Nachbarn hat, die im Regelfall bei ganz frühen oder ganz späten Arbeitszeiten die Betreuung der Kinder abdecken kann.

Generell ist ein funktionierendes Sozialleben sehr schwierig. Abendkurse zur Weiterbildung in der VHS, Gesangsvereine oder Sportvereine treffen sich regelmäßig abends. Keiner der Kollegen bekommt regelmäßig immer den gleichen Tag frei oder so geplant, dass ein regelmäßiges Teilnehmen möglich wäre. Drei von vier Samstagen im Monat hat die Kollegin
zur Arbeit zu erscheinen. Damit bleibt auch für Freizeitveranstaltungen am Wochenende kaum Zeit.

Brückentage, die an Feiertagen entstehen können im Einzelhandel kaum genutzt werden, denn es geht ja immer um zwei Tage Freizeit, es steht aber nur ein freier Tag in der Woche zu.

Zu besonderen Feiertagen Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Silvester sind Kollegen im Einzelhandel besonders belastet. Im Dezember gilt generelle Urlaubssperre. An den oben verkaufstarken Tagen sieht der Arbeitgeber es gar nicht gerne, wenn Kollegen einen Tag in der Woche frei haben. Dann wird auch schon mal um 5 Uhr morgens angefangen oder auf den freien Tag in der Woche verzichtet.

Probleme nach 22:00 Uhr

Verlässt der letzte Kunde um 22.00 Uhr den Laden gibt es eine sogenannte Nacharbeitszeit, um den Kassenabschluss zu gewährleisten, dass heißt für diese Kollegen ist die Arbeitszeit erst um ca. 22.30 Uhr beendet. Dann steht sie je nach Wochentag mit zwei, oder drei anderen auf einem stockdunklen Parkplatz im Industriegebiet. Da haben die motorisierten Kollegen dann Glück, denn sie sind nicht auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, der in den Abendstunden und am Wochenende oftmals so schlecht getaktet ist, dass ein nach Hause kommen kaum möglich ist.

Generell ist es um die Sicherheit der Kollegen nach 20.00 Uhr abends schlecht bestellt. Ein einziger, sogenannter Teamleiter auf weiter Fläche deckt die Anforderungen an die Sicherheit ab. Er ist Ersthelfer, Brandschutzbeauftragter, Aufpasser gegen Diebstahl und der Einzige, (oftmals die Einzige), der im Falle eines Überfalls, weiß was zu tun ist.

Der Druck ist enorm

Durch die langen Öffnungszeiten hat sich für den Kunden der Eindruck verstärkt, dass weniger Personal auf der Fläche anzutreffen ist. Das ist auch so. Damit erhöht sich der Arbeitsdruck auf den einzelnen Kollegen enorm, der plötzlich für mehrere Abteilungen gleichzeitig zuständig ist und trotzdem versucht kompetent und freundlich zu sein.

Dazu kommt die Möglichkeit über Werkverträge einen Teil der Arbeit auszugliedern und so dem Einfluss der Mitbestimmung zu entziehen. Damit werden endgültig sozialversicherungsfreie Arbeitsplätze in der Nachtarbeit geschaffen. Nach 22.00 Uhr kommen die Menschen des Werkvertrags an drei Tagen die Woche auf 400 € Basis und verräumen Ware bis ca. 24.30 Uhr.

Der Kostendruck der Mitbewerber im Einzelhandel und die Konzentration der vielen Verkaufstellen in einer Stadt verhindern aus Sicht der Arbeitgeber die Möglichkeit bei Bedarf den eigenen, festangestellten Mitarbeitern nach der Erziehung der Kinder wieder mehr Arbeitszeit zu geben. Das ist dem Arbeitgeber zu teuer.

Leiharbeit und 400€ Jobs sind die Regel

Da werden lieber Leiharbeitnehmer, zum Beispiel an der Kasse beschäftigt. Diese Kollegen sind telefonisch jederzeit abrufbar und man kann sie auch früher nach Hause schicken, wenn plötzlich weniger zu tun ist als geplant. Man kann sie sogar ganze Monate nach Hause schicken. Dann werden die Überstunden bezahlt, die während Ihrer Anwesenheit angefallen sind. Der ausleihende Arbeitgeber hat kaum noch soziale Verantwortung, da Krankheit und
Urlaub zu Lasten des Verleihers gehen. Dabei können diese Menschen kaum ihre Rechte durchsetzen, denn wer den Mund auf macht ist bald kein Beschäftigter mehr.
Diese Kollegen „zweiter Klasse“ sind wirklich bedauernswert.

Der Gedanke aus Leiharbeitern eigene Mitarbeiter zu machen, den sich die Politik vorgestellt hat, findet vor Ort so gut wie nie statt. Ganz im Gegenteil: auf die eigene Belegschaft wird noch höherer Druck ausgeübt. Wer nicht so mitmacht wie angedacht, kann jederzeit günstiger durch einen Leiharbeitnehmer ersetzt werden.

Für diese Kollegen und alle anderen im Einzelhandel gilt: Wer keine Vollzeitstelle bekleidet und als Werkvertragsbeschäftigter auf 400 € Basis oder als Leiharbeitnehmer zum Mindestlohn arbeitet schlittert unaufhaltsam in die Altersarmut.

Mit 20:00 oder 21:00 Uhr wär’ schon viel erreicht

Mir ist bewusst, dass die alleinige Veränderung der Öffnungszeiten keine all umfängliche Lösung bringen kann. Trotzdem würde damit ein Schritt in die richtige Richtung getan.
Ein Ladenschluss um 20.00 Uhr oder wenigsten ums 21.00 Uhr, samstags um 18.00Uhr würde den Kollegen wieder Raum geben für das Sozialleben, für eine gemeinsame Familienfreizeit und mehr Privatleben.

Gerne möchten wir auch in Zukunft unseren Kunden motiviert, gut ausgebildet und kompetent zur Verfügung stehen, allerdings so, dass auch unsere Kinder eine Chance auf ein geregeltes Familienleben haben.

Kommentare

  1. Stephan (Verbraucher/in) 27. Januar 2012

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